Landesverband Rheinland-Pfalz

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Wenn alle gewinnen

Das Freiwillige Soziale Jahr für Geflüchtete beim ASB (FSJF-Plus)

Sie sind für andere Menschen da, helfen mit und sind hochmotiviert. Besonderen Einsatz zeigen die Freiwilligendienstleistenden mit Fluchthintergrund, die an dem seit September 2017 angebotenen FSJ-Sonderprojekt des ASB Landesverbandes Rheinland-Pfalz e.V. teilnehmen.

Fotonachweis: ASB/Annette Etges

Nicht nur, dass sie sich dazu entschieden haben, die oft selbst erfahrene Hilfe an andere weiterzugeben und sich im Rahmen eines Freiwilligendienstes zu engagieren, sondern sie besuchen auch neben ihren Tätigkeiten in den Einsatzstellen Sprachkurse und Kurse zum Erwerb des Hauptschulabschlusses. Davon profitieren am Ende nicht nur die Freiwilligen, sondern auch die Einsatzstellen, die – wenn alles passt - hochmotivierte Auszubildende für die Kranken- und Pflegeberufe erhalten.

Im Juni 2016 startete das Projekt „Freiwilligendienst für Geflüchtete“. Im Laufe des Projektstarts wurde deutlich, dass die Mehrheit der Freiwilligen, die ihren Dienst in einer Klinik oder in einem der Seniorenzentren im Herbst 2017 beendet hatten, sehr gerne eine Ausbildung als Altenpflegehelfer*in oder Krankenpflegehelfer*in begonnen hätten, aber ihnen die nötigen Zugangsvoraussetzungen fehlten.  

Um diese „Lücke“ zu schließen, modifizierte die zuständige Projektleiterin Tülay Arslan das Projekt und ging im Herbst 2017 mit dem Projekt „FSJF-Plus“ an den Start. Dieses Projekt verknüpfte den bewährten Freiwilligendienst FSJ mit der Möglichkeit, parallel dazu einen Sprachkurs zu besuchen und im Anschluss einen Hauptschulabschluss zu erwerben. Neben den regulären Bestandteilen im FSJ wie Bildungsseminartage und Einsatzstellenbesuche, erhalten die Freiwilligen zusätzliche individuelle pädagogische Angebote, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen einer Sonderförderung gefördert werden.

Das Resümee der Freiwilligen ist mehr als positiv, trotz der Mehrbelastung. Sie berichten, dass es nicht immer einfach für sie ist den Anforderungen gerecht zu werden, da sie vormittags einen Sprachkurs bzw. einen Kurs zum Erwerb des Hauptschulabschlusses besuchen und nachmittags im FSJ in ihrer Einsatzstelle tätig sind. Sie sehen aber auch die außerordentlichen Vorzüge der Teilnahme an diesem Projekt. Sie haben während ihres Freiwilligendienstes die Chance, ihr Deutsch in den Sprachkursen und im Kontakt mit Kolleg*innen und Klient*innen deutlich zu verbessern, sich gleichzeitig auf den Erwerb eines Hauptschulabschlusses vorzubereiten und praktische Erfahrungen im sozialen Bereich zu sammeln. Dies ist ohne die engmaschige pädagogische Betreuung durch die Projektleiterin Tülay Arslan nicht denkbar.

Auch die fachlichen Anleiter*innen in den Einsatzstellen zollen den jungen Menschen viel Bewunderung und Respekt vor dieser Leistung und ihrer Motivation. „Diese FSJler sind sehr engagiert, motiviert und freundlich“, unterstreicht MichéleBohn, stv. Pflegedienstleitung für einige der Kliniken an der Universitätsmedizin Mainz, in denen ebenfalls Teilnehmer des Projekts „Freiwilligendienst für Geflüchtete“ im Einsatz sind, und ergänzt: „Es ist schön zu erleben, wie viel Freude und Begeisterung sie unseren Patienten und Teams entgegenbringen – gerade auch vor dem Hintergrund, dass die Anforderungen in der Pflege sehr hoch sind.“

Aber nicht nur Geflüchtete, die parallel zu einem Freiwilligendienst einen Schulabschluss erwerben wollen, profitieren von diesem neuen Projekt. „Das Konzept FSJF-Plus sollte für alle Geflüchteten geöffnet werden, auch für die, die keinen Schulabschluss bzw. Sprachkurs parallel zum FSJ machen können oder wollen“, fordert Arslan. „Der Grund dafür sind die zusätzlichen pädagogischen Angebote, die die Geflüchteten sehr gerne in Anspruch nehmen würden und diese auch benötigen. Die Angebote helfen den jungen Menschen, ihren Freiwilligendienst in der Einsatzstelle gut zu meistern und einen Mehrwert ihres freiwilligen Engagements zu erhalten. Vor allem aber mindert die Teilnahme an diesem Projekt Benachteiligungen“, so die Projektleiterin weiter. „Die Freiwilligen berichten mir, dass sie mit verschiedenen Hürden konfrontiert sind. Angefangen von Systemunkenntnis des Arbeitslebens in Deutschland bis hin zu interkulturellen Unterschieden und Sprachdefiziten in der deutschen Sprache. In der individuellen Arbeit mit ihnen, unterstütze ich sie, soweit es geht. Das Projekt ist auf einem guten Weg.“ Nach Überzeugung von MichéleBohn von der Universitätsmedizin Mainz besitzt das Projekt gerade im Hinblick auf die Nachwuchskräftesicherung in den Pflegeberufen zusätzlich zu anderen Maßnahmen und Projekten Leuchtturmcharakter.

 

Seit Juni 2016 haben sich 24 Geflüchtete für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) beim ASB entschlossen.